Bio-Jungpflanzen in Hamburg

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Kurz vor dem Tomatenfest wagen wir einen Blick hinter die Kulissen und schauen, wie es um die Tomaten und das Fruchtgemüse in den Gewächshäusern steht.

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16. Juli 2009

Besuch bei Gurken und Tomaten

Von Andrea Madadi. Kurz vor dem Tomatenfest wagen wir einen Blick hinter die Kulissen und schauen, wie es um Tomaten und Fruchtgemüse in den Gewächshäusern und Folientunneln steht. Wir sind mit den Fachleuten Gürsel Arslan und Yusuf Yildirim im Gewächshaus verabredet, wo „Hochgemüse“ wie Tomaten, Gurken und Auberginen wachsen. Beide sind langjährige Mitarbeiter in der Demeter Gärtnerei Sannmann und leben seit Jahrzehnten in Deutschland. Ursprünglich stammen Gürsel und Yusuf aus der Ortschaft Jozgat in der Nähe der türkischen Hauptstadt Ankara, wo sie gemeinsam ihre Jugend verbrachten.

Gürsel ist vor allem zuständig für die Kontrolle und Pflege der Fruchtgemüse. Jeden zweiten Tag erstellt er außerdem die Erntevorschau für den Verkauf – was, wann, wie viel und in welcher Qualität angeboten werden kann. Seine Lieblinge sind die Gurkenpflanzen: „Gurken sind wie Kinder, darauf muss man immer aufpassen, die werden schnell krank“, verrät der Fachmann. Sein Tipp: der Boden muss gesund und gut gedüngt sein, nicht zu feucht und nicht zu trocken. Vorsorge und Kontrolle sind gerade im biologischen Anbau wichtig, man muss als Gärtner die Befindlichkeit der Gurken erahnen und auch wissen, dass sie „keinen Wind lieben“. Sind sie gesund und wohlbehütet wie hier im Gewächshaus wachsen sie pro Tag zehn Zentimeter.

Vor 17 Jahren hat Gürsel Arslan bei Willi Sannmann, Vater seines heutigen Chefs Thomas Sannmann, in der Gärtnerei angefangen. Damals gab es nur zwei Gewächshäuser mit einer Anbaufläche von 2.500 Quadratmetern. Mit der Umstellung auf den bio-dynamischen Demeter Anbau erweiterte Thomas Sannmann die Gewächshäuser und Folientunnel kontinuierlich. Heute bearbeiten Gürsel und Yusuf mit ihren Gärtner-Kollegen eine Fläche von 15.000 Quadratmeter Glas und 12.000 Quadratmeter Folientunnel – pflanzen im Winter Salate und im Sommer Fruchtgemüse, pflegen, kontrollieren und ernten. Für Gürsel ist die Gärtnerei mittlerweile zu einer Art Heimat geworden, besonders weil seine Frau und die beiden Kinder jetzt in der Türkei wohnen und Gürsel sie nur zweimal im Jahr besuchen kann.

Yusuf Yildirim ist seit 1998 in der Gärtnerei Sannmann angestellt und betreut die Vorbereitung des Bodens, den Anbau und die Kontrolle der Hochgemüse. Er zeigt uns die Lieblingstomate unserer Tomatenfest-Gäste und Kunden, die milde Ruth, die gleich geerntet werden soll.

Acht bis zehn Wochen nach Pflanztermin können üblicherweise die ersten Tomaten geerntet werden. Bis dahin ist es ein weiter, arbeitsintensiver Weg. Nachdem die Wintersalate in den Gewächshäusern abgeerntet waren, haben Yusuf und Gürsel den Boden für die Tomatenpflanzen vorbereitet. Zuerst wird Kompost mit einer bio-dynamischen Hornmistgabe in den Boden eingearbeitet, dann Steinmehl dazugegeben um die Erde zusätzlich mit natürlichen Mineralien und Spurenelementen zu versorgen. Danach wird alles mit der Fräse vermischt und der Boden dabei gut aufgelockert. Das kräftigt die Erde und schützt die Pflanzen später gegen Nematoden-Befall.

Die Bio-Tomatenpflänzchen aus einer Anzucht-Gärtnerei in der Nähe von Bremen sind veredelt, d. h. auf eine wilde Tomate mit starker Wurzel wird eine normale Tomatenpflanze mit hoher Ertragseigenschaft gepfropft. Nach zwei Tagen sind die beiden Pflanzen miteinander verbunden und fertig ist die veredelte Tomate mit ursprünglicher Wurzel- und großer Ertragskraft. Gürsel verrät uns noch, dass Gurken auf Wild-Kürbis und Auberginen auf wilden Tomaten gepfropft werden. Staunend erfahren wir, dass man von einer veredelten zweitriebigen Aubergine bis zu 50 Früchte ernten kann.

Ab einer bestimmten Höhe werden Tomaten-, Gurken- und Auberginenpflanzen zum Aufleiten an eine Sisalschnur gebunden. Auf diese Weise erreichen einige Tomatensorten wie z. B. die Ruth oder Cherry-Strauch eine Länge von acht Metern und mehr. Damit die Tomate gerade wächst und sich nicht in Verästelungen verzettelt, muss jede Woche ausgegeizt werden, d. h. die Seitentriebe werden mit der Hand raus gebrochen. So entsteht der gewünschte Rhythmus zwischen Blattwerk und Rispenbildung.

Überall in den Gewächshäusern gibt es kleine Häuschen aus Pappe – hier sind Untermieter, brummige Hummeln, mit wichtiger Funktion zu Hause. Die Hummeln sind die Bestäubungs-Spezialisten für die Fruchtgemüse. Ein herzhafter Hummel-Biss in die Blüte garantiert eine optimale Befruchtung, weil sie damit sofort die Staubgefäße erreicht, die bei Tomatenblüten ziemlich versteckt liegen. Die Pollen können auf die Narbe fallen und die Frucht entsteht. Bevor die Früchte zu reifen beginnen, entfernt Yusuf die überzähligen Früchte an der Rispenspitze, damit alle Tomaten gleichmäßig groß und reif werden.

Ausgewogen muss auch die Wasserversorgung sein, verrät Gürsel, denn bei zu viel Wasser können die Wurzeln faulen oder sogar die Tomaten platzen. Gewässert wird nur von früh morgens bis zum Mittag je nach Wetterlage: An heißen Tagen täglich, an bedeckten zweimal pro Woche. Zwischen den Tomatenpflanzen haben die Gärtner Rasen gesät, auch der sorgt für ein gutes Bodenklima.

Wenn sich Unkraut oder Pilze in die Tomatenkolonie einschleichen, geht Gürsel mit dem Gasbrenner oder mit der Hacke durch die Reihen. Die Gärtner setzen aber vor allem auf Vorsorge, das Blattwerk der Hochgemüse wird regelmäßig kontrolliert und auf Befall untersucht.

Bei Schädlingsbefall wie Läusen kommen gekaufte oder selbstvermehrte Nützlinge wie Marienkäfer oder Raubmilben zum Einsatz. Stark befallene Blätter oder Pflanzen werden einfach entfernt. Gürsel zeigt uns einen Kasten mit Maispflanzen auf denen das Leben tobt: „Hier haben wir unsere eigene Nützlingszucht.“ Viele Läuse als Nahrung und Nützlinge dazu, die in sieben Tagen die nächste Generation an den Start schicken.

Damit es die Tomatenpflanzen von unten schön luftig haben, schneidet Yusuf regelmäßig das Blattwerk aus und befreit versteckte Rispen, damit sie genug Sonnenlicht bekommen. Wenn er an der Pflanze sieben Rispen zählt, ist die unterste reif und die Ernte kann beginnen. Mit kleinen Erntewagen können die Mitarbeiter auf den Heizungsrohren wie auf Schienen durch den Tomatendschungel fahren und die reifen Früchte ernten. Alle zwei Wochen werden die langen Tomatenpflanzen „tiefergelegt“, d. h. schräg abgehängt, sodass die nächste Reihe reifer Tomatenrispen knapp über dem Boden hängt und ein leichteres Pflücken ermöglicht.

Ich stelle zufrieden fest: Die Tomaten reifen prächtig - das Tomatenfest kann kommen.

Wir öffnen unsere Gewächshäuser am 25. Juli 2009 ab 14 Uhr zum Tomatenfest und Sie sind herzlich eingeladen, die „Paradiesfrucht“ mit allen Sinnen zu genießen – bei der Selbsternte direkt von den Pflanzen, auf unseren Führungen um 14 und 16 Uhr mit Trecker-Rundfahrt und beim Tomatengeschmackstest, wo Sie neun Tomatensorten probieren und benoten können. Natürlich hat Gärtnereiköchin Birte Menzel wieder Köstliches gezaubert: Sannmanns Tomatensuppe, Tomaten-Pizza-Variationen und ein feines Bio-Kuchenbuffet.

Es erwartet Sie ein genussreicher und informativer Tag in der Demeter Gärtnerei Sannmann!

 

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