Bio-Jungpflanzen in Hamburg

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In reiner Handarbeit wird der Feldsalat im Folientunnel in die fruchtbare Erde gepflanzt.

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22. November 2010

Feldsalat pflanzen

Ein Erlebnisbericht von Andrea Madadi.

Haben Sie schon mal Feldsalat gepflanzt? Ich nicht – bevor ich Anfang November einen Selbstversuch gestartet habe. In der Gärtnerei bin ich zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit und die Organisation der Feste und kenne die große Gemüseproduktion nur vom kurzzeitigen Zuschauen. Selber habe ich bisher Gemüse und Blumen nur in kleinem Stil in meinem Bio-Hausgarten angepflanzt.

Es ist schon beindruckend, in den Gewächshäusern und Folientunneln die langen, exakten Reihen der verschiedenen Salate zu sehen – die bei uns alle per Hand gepflanzt, gepflegt und geerntet werden. Um an mir selbst zu erfahren, was die Arbeit in einem großen Gemüseanbaubetrieb überhaupt bedeutet und wie sie konkret abläuft, habe ich einen Tag lang in der Gärtnerei Sannmann Feldsalat gepflanzt.

»Wir sahen aus wie Michelin-Männchen und konnten uns kaum bewegen.«— Andrea Madadi

Beim Feldsalat-Pflanzen im Folientunnel.

Unser Ziel war ein 140 Meter langer Folientunnel, vor dem eine riesige Palette mit 60 Kisten vorgezogenem Feldsalat stand. In jeder dieser flachen Stapel-Kisten befanden sich 176 Erdwürfel mit Feldsalatpflänzchen. Gürsel, der Leiter der Gewächshäuser, hatte bereits mit einer Noppenwalze für jede Pflanzerin eine Sechser-Reihe Pflanzlöcher in die lockere Erde gestanzt. In perfekter Haltung demonstrierte er uns, mit welchen Griffen wir die Feldsalatwürfel in die Pflanzlöcher versenken sollten: Mit einer Hand drei Würfel greifen und locker in die Löcher setzen ohne viel Bewegung, denn zu viel Bewegung geht auf den Rücken, wie Gürsel uns versicherte. Was langfristig mit den Knien eines Gärtners passiert, erzählte er uns erst später.

Jede Pflanzerin bekam einen kleinen schrägen Roll-Wagen, auf den eine Kiste mit Feldsalat gestellt wurde. Hochmotiviert, die weiche fruchtbare Erde unter unseren Knien, machten wir uns ans Werk – im Rückwärtsgang von vorne nach hinten arbeitend, immer die getane Arbeit im Blick. Als erste Schwierigkeit erwies sich die hinterste sechste Reihe, die ich nur sehr langgestreckt erreichen konnte – abstützen ging nicht, weil ich sonst die anderen Pflanzlöcher zerstört hätte. Als zweite Schwierigkeit meldeten sich doch recht bald meine Knie: mal drückte und scheuerte es, mal wurden sie zu kalt, mal fühlten sie sich durch die Haltung eingequetscht. So gern war ich noch nie aufgestanden, um mit der Schubkarre neue Kisten heranzuholen.

Zu zweit zu arbeiten bringt auch Wetteifer mit sich, zumindest in den ersten Arbeitsstunden: wer pflanzt schneller, wer ist als erster mit der Reihe fertig und wie viel Minuten brauchen wir überhaupt, um eine Kiste zu leeren? Diese Disziplin ging ganz klar an meine Kollegin, die 176 Feldsalate in knapp fünf Minuten in die Erde brachte.

»Innerhalb eines Acht-Stunden-Arbeitstages müssen zwischen 11.264 und 16.000 Pflanzen gesetzt werden.«— Andrea Madadi

Sannmanns feiner Feldsalat.

Daran konnte ich im Traum nicht denken, auch wenn meine Kräfte und Motivation bis zur Mittagspause noch glänzend waren. In der zweiten Tageshälfte hatte ich das Gefühl immer langsamer zu werden, musste mir immer wieder neue Haltungen suchen, um den Schmerzen in Rücken, Knien und eigentlich überall auszuweichen. Um ehrlich zu sein habe ich nachmittags im Fünf-Minuten-Takt gefragt, wann endlich Feierabend ist. Und das, obwohl ich eigentlich dankbar war, dass ich im relativ kuscheligen Folientunnel mit wenig Wind und ohne Regen arbeiten durfte.

Punkt 16:00 Uhr haben wir die letzten Feldsalatpflänzchen in die Erde gesteckt und sind mit sehr langsamen und vorsichtigen Schritten zu unseren Rädern geschlichen. Wir waren fertig mit „Jack und Büx“!

Ich erzähle hier nicht, wie es mir schon am Abend und erst am nächsten Tag ergangen ist – ich verrate nur mein Fazit des Feldsalatpflanzens: „Ich werde nie wieder den leckeren Feldsalat essen können, ohne an die zahlreichen Mühen und Strapazen zu denken, die es kostet, bevor er auf meinem Teller landet.“

 

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